Covid-19 – Carmen Nader arbeitet als Krankenschwester auf der Covid-19-Station im Hochwaldkrankenhaus
Bad Nauheim/Hessen

Die Corona Pandemie schreitet unaufhaltsam voran. Die USA sind derzeit am schlimmsten betroffen und es ist noch kein schnelles Ende in Sicht. In Italien scheinen die rigorosen Ausgangssperren ihre Wirkung zu zeigen, die Anzahl an Neuinfizierten geht langsam zurück. Auch Deutschland scheint den Höhepunkt überschritten zu haben, die Bundesregierung beschloss erste Lockerungsmaßnahmen.
Das Sars-CoV-2 Virus infizierte bisher knapp 2,6 Millionen Menschen (positiv getestet) weltweit. Deutschland hat nach aktuellem Stand (22.04.20) des Infoportals worldometers.info über 5.000 Tote zu beklagen, weltweit verloren 177.459 Menschen bereits ihr Leben. In Deutschland entspricht dies rund 3,4 % der positiv Getesteten, weltweit entspricht es knapp 7 %.
Für diese abweichenden Zahlen mag es verschiedene Gründe geben, auf jeden Fall ist es ein Indikator, dass das Gesundheitssystem in Deutschland gut funktioniert. Das verdanken wir den Ärzten, Krankenschwestern, Krankenpflegern und dem weiteren Klinikpersonal, die sich tagtäglich dem Risiko einer Infektion aussetzen. Ein ganz dickes Dankeschön!
Die Zahlen von Deutschland belegen auch, dass wir uns gegen das Virus schützen können. Es besteht kein Grund zur Panik. Zuhause bleiben, Abstand halten und regelmäßig Händewaschen, damit bestehen gute Chancen, heil über die Runden zu kommen.

Im Gespräch mit Christa Stuber berichtet Carmen Nader über ihre Arbeit auf der Covid-19-Station im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim. Vielen Dank, Carmen.

Carmen Nader arbeitet seit anfangs April auf der Covid-19-Isolierstation im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim/Hessen. Das Krankenhaus gehört zum Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH.

Die knapp 54-jährige gelernte Krankenschwester ist Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Zuvor war sie in der Notaufnahme im gleichen Krankenhaus tätig.

Carmen, du arbeitest seit anfangs April auf der Covid-19-Isolierstation, viele fragen dich sicherlich, wie ist das?

Jeder fragt mich, wie es auf Covid ist. Sehr interessant, die Patienten sind ganz anders, sehr geduldig, freundlich und dankbar. Und gleichzeitig haben sie die Angst in den Augen, richtig Todesangst.

Wie viele Patienten liegen auf deiner Station, meinst du, es werden mehr?

Da ist das Spannende, es kann ganz ruhig sein und plötzlich kommen vielleicht 5 –10 Fälle mit Verdacht auf Covid und etwa 20 % bestätigen sich. Auf jeden Fall sind wir auf mehr Patienten vorbereitet. Die große Welle ist bis jetzt ausgeblieben, die wird vermutlich mit einer Lockerung der Ausgangssperre kommen.

Und wie viele Patienten liegen auf der Intensivstation?

1 – 2 Patienten. Diese werden zum Teil, je nach weiterem Krankheitsbild und Krankheitsverlauf, zeitnah in die Nachbarklinik Kerckhoff (Herzklinik) verlegt. Dies ist eine Vorgabe des koordinierenden Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), die wir umsetzen. Schwere Verläufe sollen in sogenannten Level 1 Kliniken versorgt werden.

Wie werden die Patienten auf deiner Station behandelt, wird deren Atmung unterstützt?

Bis jetzt haben wir auf unserer Station noch keine beatmeten Patienten, aber die Geräte dafür sind vorhanden und jederzeit einsatzbereit. Die Aufgabe des Pflegepersonals liegt in der Krankenbeobachtung und Vitalzeichenkontrolle, wie z. B. Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz, Medikamentengabe und psychische Betreuung. Es steht in jedem Zimmer ein kleiner Überwachungsmonitor, dass im Falle einer Verschlechterung sofort die nötigen Schritte eingeleitet werden können.

Welche Patienten sind am schwersten betroffen?

Sehr betroffen sind Chemopatienten, Asthmatiker bzw. COPD-ler (Anm.: dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung) und natürlich Raucher.

Wie zuverlässig fallen die Testergebnisse aus?

Die Tests sind nicht so aussagekräftig, wie wir uns das wünschen würden, da die meisten schon über zwei Wochen Symptome haben und der Abstrich dann negativ ist. Es müssten Abstriche aus den Bronchien gemacht werden, aber das macht man nur bei einer Intubation.

Was sind die Gründe dafür?

Die Viren sind vom Rachen in die Tiefe gewandert.

Ich habe auf der Webseite des Gesundheitszentrums Wetterau den Appell an ehemalige Ärzte, Pflegekräfte und Studenten gelesen. Hilft das oder behindert es eher die Arbeit?

Das kommt ganz auf die Qualifikation an, ich habe z. B. Erfahrung im Notfallmanagement, was klar von Vorteil ist. Aber leider gibt es auch unerfahrenes Personal, das dann in der Regel qualifiziertem Personal zugeteilt wird. Als Behinderung würde ich es nicht sehen, es ist dann einfach eine andere Arbeitseinteilung erforderlich und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Man hört ja immer wieder, dass nicht genügend Schutzkleidung zur Verfügung steht, um das Krankenhauspersonal zu schützen. Wie sieht es bei dir aus?

Schutzkleidung ist echt knapp, daher haben wir in unseren Häusern die Entscheidung getroffen, die Patienten zu zentralisieren und nicht im jeweiligen Haus verteilt zu betreuen. Daher reicht die Schutzkleidung, was uns jedoch nicht davon entbindet mit aller Sorgfalt und Umsicht zu arbeiten, so wie wir es in unserer Ausbildung lernen, um das Risiko einer Ansteckung so gering wie irgend möglich zu halten.

Wird das Klinikpersonal ebenfalls getestet?

Der Bluttest mit Antikörper wurde hier im Krankenhaus nach Ostern durchgeführt, meine Station und die Intensivstation waren die Ersten. Mein eigenes Testergebnis bekam ich per Post, es war negativ.
Eigentlich hatte ich auf ein positives Ergebnis gehofft, dann hätte ich schon mal das Virus gehabt. Andererseits bedeutet dies, dass ich eine gute Immunabwehr besitze und mich bis jetzt gut geschützt habe. Und ich trage keinen Atemschutz und Handschuhe in der Freizeit oder beim Einkaufen. Ich halte Abstand, wasche regelmäßig die Hände, aber auch nicht viel öfters als vorher – ich gehe wahrscheinlich mit einem gesunden Menschenverstand durch die Welt.

Bekommt ihr eigentlich so etwas, wie einen Risikozuschlag für eure Arbeit?

Ja, seit Neuem gibt es eine Pflegezulage (COVID-19) von 46,02€ brutto im Monat, auf der Intensivstation ist sie doppelt so hoch.

Liebe Carmen, vielen herzlichen Dank für das Interview. Kaufe dir von der Zulage einen schönen Blumenstrauß und pass gut auf dich auf!




Papst-Interview: Corona-Krise als Chance zur Umkehr

Vatican News (in Deutsch)






Covid-19 – Katja Sütterlin gilt als geheilt entlassen

Covid-19 – Katja Sütterlin gilt als geheilt entlassen

Die Corona Pandemie hält die Welt derzeit fest im Griff. Täglich steigen die Zahlen der Neuinfizierungen und Todesfälle. Die USA hat China längst überrundet und in Italien und Spanien zeichnet sich kein Ende der Ausbreitung ab.
Dies ist jedoch kein Grund zu Hysterie und Panik. Dies belegen die Zahlen des Infoportals worldometers.info. 81 % der abgeschlossenen Fälle überlebten und bei 95 % der derzeit weltweit positiv Getesteten verläuft die Krankheit mild.
Schlimm trifft es die Risikogruppen. Diese gilt es zu schützen. Daher stellt das Interview mit Katja Sütterlin kein Freibrief für einen leichtsinnigen Umgang mit dem Virus Sars-CoV-2 dar. Sie gilt als geheilt entlassen. Im Gespräch mit Christa Stuber berichtet sie über den Verlauf der Infektion. Vielen Dank, Katja.

Katja Sütterlin hat das Corona Virus gut überstanden


Katja Sütterlin ist Schweizerin. Die kaufmännische Angestellte entschloss sich, eine neue berufliche Laufbahn einzuschlagen.

Derzeit absolviert die 49-Jährige eine duale Ausbildung an der höheren Fachschule in Winterthur (ZAG) zur Eidg. dipl. Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Psychiatrie und steht kurz vor ihrem Abschluss

      

     


  • Katja, wie hast du deine ersten Symptome bemerkt und welche waren das?
    Meine ersten Symptome waren leichtes Fieber, Gliederschmerzen, aber vor allem der komplette Verlust des Geschmacks- und Geruchsinns.

  • Wie hast du reagiert und wo hast du dich testen lassen?
    Ich habe unverzüglich meinen Arbeitgeber informiert, da ich bereits den Verdacht hatte, positiv zu sein. Getestet wurde ich im Spital in Horgen, allerdings nur, weil ich im Gesundheitswesen tätig bin und die Tage zuvor Kontakt mit Patienten hatte.

  • Wie funktionierte der Test?
    Der Arzt nahm einen Abstrich vom Rachen und von der Nase. Das war eine unangenehme Prozedur, da er das Teststäbchen ziemlich weit in die Nase einführte.

  • Wo warst du in Quarantäne, im Krankenhaus oder zuhause?
    Die zweiwöchige Isolation verbrachte ich zu Hause. Da ich keine schwerwiegenden Krankheitssymptome hatte, war ein Krankenhausaufenthalt nicht erforderlich.

  • Wo hast du dich eventuell angesteckt, was geschah mit deinem Umfeld?
    Angesteckt habe ich mich vermutlich im Fitnessstudio. Mein Partner, der in Deutschland lebt und vor Krankheitsausbruch noch das Wochenende mit mir verbrachte, zeigte keine Krankheitssymptome. Auch mein 17-jähriger Sohn, der bei mir im Haushalt lebt, hat sich nicht angesteckt bzw. zeigte keine Symptome von Corona.

  • Wie war das Krankheitsgefühl, hattest du Schmerzen, wenn ja, welche?
    Ich fühlte mich generell sehr müde, hatte im Krankheitsverlauf starke Kopf- und Gliederschmerzen. Allerdings kaum Husten und auch keine Atemprobleme.

  • Was für Medikamente oder welche Behandlung hast du bekommen?
    Da Viruserkrankungen grundsätzlich nicht medikamentös behandelt werden können, verschrieb mir der Arzt ein Medikament, um die Krankheitssymptome zu lindern. Mephadolor Neo auf der Basis vom Wirkstoff Mefenacin (Anm.: Zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung bei Grippeerkrankungen besonders im Bereich der oberen Atemwege).

  • Wurdest du erneut getestet?
    Getestet, ob ich nach Krankheitsverlauf nun negativ bin, wurde ich nicht.

  • Gibt es Nachfolgebehandlungen?
    Eine Nachfolgebehandlung wird es nicht geben. Ich gelte nun – gemäß aktuellen Erkenntnissen – als immunisiert gegen das Corona-Virus.

  • Kannst du schon wieder arbeiten?
    Nach der zweiwöchigen Isolation bin ich nach genau 16 Tagen an meinen Arbeitsplatz in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zurückgekehrt.

  • Wie fühlst du dich inzwischen?
    Mir geht es wieder sehr gut und ich fühle mich vollständig gesund.