Corona – Liberia

Corona: Wie sich die Pandemie in verschiedenen LĂ€ndern ausbreitet und wie sich die Menschen schĂŒtzen – oder auch nicht. Deutschland (Seite 1), Malaysia (Seite 2), Liberia (Seite 3)

Corona in Deutschland: Covidioten

Freiheit, Gleichheit, RĂŒcksichtslosigkeit

Eine Message, die ich auf Englisch las, beeindruckte mich. Vielleicht sollte jeder einmal kurz innehalten und darĂŒber nachdenken.

Du bist im Jahre 1900 geboren. Im Alter von 14 Jahren beginnt der Erste Weltkrieg. Am Ende des Krieges bist Du 18 Jahre alt. Insgesamt starben 22 Millionen Menschen im Krieg. Direkt im Anschluss brach die Spanische Grippe aus. Du bist jetzt 20 Jahre und die Pandemie raffte bis 1920 rund 50 Millionen Personen dahin.


Eine kurze Verschnaufpause

Inzwischen bist Du 29 Jahre. Die Weltwirtschaftskrise nimmt ihren Lauf. Die New Yorker Börse bricht zusammen, eine Rezession mit weltweiter Arbeitslosigkeit folgt. 1933 gelangen in Deutschland die Nazis an die Macht, du bist 33. Der Zweite Weltkrieg beginnt 1939 und mit 45 Jahren beklagst Du 60 Millionen Tote. Im Holocaust ließen sechs Millionen Juden ihr Leben.
Mit 52 Jahren beginnt der Krieg in Korea und mit 64 Jahren der Vietnamkrieg. Im Jahre 1975 mit Ende des Vietnamkrieges sind mehrere Millionen Vietnamesen und knapp 60.000 US-Soldaten zu beklagen. Mit 75 Jahren blickst Du auf so viel Leid und Tote zurĂŒck. Dennoch bewahrst Du Dir Deine Menschlichkeit, hast Kinder großgezogen und versuchst das beste aus Deinem Leben zu machen.

Szenenwechsel

Du kommst 1985 zur Welt. Du glaubst Deine Groß- und Urgroßeltern hĂ€tten keine Ahnung davon, wie schwierig das Leben sei. Aber sie haben mehrere Kriege und Katastrophen ĂŒberlebt.
Mitten in einer Pandemie besitzt Du alle Annehmlichkeiten unserer modernen Welt. Du musst nicht hungern, Strom kommt aus der Steckdose, Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Du hast WiFi und sogar Netflix.

Und Du beklagst Dich, dass Du vorĂŒbergehend eine Maske tragen musst, dass Du in Deiner Bewegungsfreiheit eingeschrĂ€nkt bist, dass Du Abstand halten sollst. Dass Du keine Bar aufsuchen kannst und der Ballermann auf Malle geschlossen ist. Und Klopapier ist Deine grĂ¶ĂŸte Sorge.
All diese Annehmlichkeiten besaßen Deine Großeltern nicht. Aber sie haben bis zu Deiner Geburt ĂŒberlebt, sich ĂŒber Dich gefreut – und ohne sie gĂ€be es Dich nicht. Inzwischen gehören Deine Eltern zur Risikogruppe der Pandemie. Vielleicht solltest Du ihnen gegenĂŒber rĂŒcksichtsvoll sein.

Meinungsfreiheit

Bei allem Respekt vor der Meinungsfreiheit und dem Recht auf Demonstration. Wer die Grundrechte einfordert, sollte sie verinnerlichen und sich an sie halten, hier der erste Absatz des Artikel 2 des Grundgesetzes:
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung oder das Sittengesetz verstĂ¶ĂŸt. 

Die Demonstration gegen Corona in Berlin zeigt nur RĂŒcksichtslosigkeit. Sie verletzt die Rechte derer, die sich vor der Pandemie schĂŒtzen. Eine zweite Welle wird unsere Gesellschaft und die Wirtschaft schwer treffen. Deutschland wird ĂŒberleben, es fragt sich nur wie.

Christa Stuber