Von Jakarta nach Bali

Von Jakarta nach Bali

Mit Auto und Golftasche unterwegs zur Götterinsel

Java – üppig grüne, tropische Vulkaninsel, zwischen Sumatra und Bali gelegen, unsere Wahlheimat seit fast sechs Jahren, diese Insel näher zu entdecken war in den Osterferien unser Ziel. Natur und Kultur, von allem etwas, von nichts zu­viel war unsere Devise, als wir am Gründonnerstag mit Mietauto und Fahrer von Jakarta aus in Richtung Osten starteten. Allerdings sollten die angenehmen Seiten des Lebens auf unserer Fahrt von Jakarta nach Bali nicht zu kurz kommen und bei geschickter Wahl der Orte hat Java hier einiges zu bieten.

Unsere erste Etappe fĂĽhrte nach Bandung, wo wir im Hotel Savoy Homann abstiegen. Dieses traditionsträchtige Haus, in dem 1927 bereits Charly Chaplin und 1955 während der Asia-Afrika-Konferenz, Politiker wie Nehru, Chou En Lai, Nasser, Sihanouk und Soekarno nächtigten, erweckte unser Interesse. Die Junior Suite fĂĽr ganze Rp. 280´000,– nett war recht passable, der Service im Restaurant lieĂź jedoch leider etwas zu wĂĽnschen ĂĽbrig. In meinem – vielleicht doch schon etwas veraltetem – ReisefĂĽhrer fand ich in der Hotelbeschreibung den Hinweis auf ein tolles FrĂĽhstĂĽcksbuffet mit einer guten Auswahl an holländischem Käse, inzwischen leider – wohl krisenhalber – vom reichhaltigen Angebot auf Kraft-Scheibletten geschrumpft.

Nach einer morgentlichen Shoppingtour entlang der wirklich sehr gĂĽnstigen Jeans-StraĂźe erreichten wir hinter Garut den sundanesischen Ort Kampung Naga,. Das traditionelle Dorf liegt von der StraĂźe aus etwa 300 Stufen tiefer, eingebettet zwischen male­rischen Reis­terrassen, am Ufer des Flusses. Die Bewohner leben nach wie vor ohne Strom in ihren mit Palmblättern gedeckten HĂĽtten. Unser FĂĽhrer lud uns auch gleich ins Haus seiner Mutter ein, die uns freundlich mit Tee bewirtete. Die Bewohner fertigen Gegenstände aus geflochtenem Bambus, wie Matten oder Untersetzer, die man gĂĽnstig erwerben kann. Zum Abschluss darf man sich, nach einer kleinen Spende, in der Dorfmitte ins Gästebuch eintragen 

Jakarta nach Bali – Pangandaran, Bade­ort an der Südküste

Weiter führt die Fahrt nach Pangandaran, einem Bade­ort an der Südküste Javas. Für die Bewohner Ban­dungs, sowie für ausländische Rucksack-Touristen dient der Ort, der an einer Bucht mit ei­nem zwar schönen, allerdings mit Verkaufs­ständen und Warungs übersäten Sand­strand liegt, als Er­ho­lungs­ort. Die Hotels sind durch die Ufer­straße vom Strand getrennt, so dass man leider keinen direkten Zugang vom Hotel zum Meer hat.

Im Adam´s Homstay, einem Losmen, das einer Deutschen und ihrem indonesischen Mann gehört, wohnten wir in einem Bungalow mit eigenem kleinen Pool. Eine umfangreiche Bibliothek mit deutschen BĂĽchern lädt zum Schmöckern ein. Allerdings war der Service im Restaurant leider noch lausiger als in Bandung. Selbst wenn das Essen frisch zubereitet wird, sind eineinhalb Stun­den Wartezeit fĂĽr Spaghetti doch recht lange, vor allem, wenn der Chicken-Cocktail zum Dessert serviert wird. Nachdem wir zum Essen nur noch die einzigen Gäste waren, war die KĂĽche absolut ĂĽberfordert. Beim FrĂĽhstĂĽck ein ähnliches Spiel. Hier gilt nur anzu­merken, dass fĂĽr Rp. 315´000,– fĂĽr Bungalow und FrĂĽhstĂĽck, ver­glichen mit dem Grand Hyatt in Yogya (DZ Rp. 299´000,– nett inkl. ABF) das Preis-Leis­tungs­verhältnis leider nicht ganz stimmt. Hinzu kommt noch, dass die Besitzerin, trotz dieser Preise, keine Kreditkarten akzeptiert. Schade!

Green Canyon bei Pangandaran

Von Pangandaran lohnt sich ein Ausflug zum etwa 25 km entfernten Green Canyon. Allerdings sollte man den Ausflug nicht am Wochenende oder an Feiertagen unternehmen, da die Indonesier die Schönheit dieser Landschaft auch zu schätzen wis­sen. Zum Glück geht die Zuteilung der Boote streng nach Nummern, so dass letztlich doch noch alles sehr geordnet zugeht. Die Fahrt mit dem Boot in die Schlucht ist sehr eindrucksvoll, land­schaftlich ein absoluter Höhepunkt.

Jakarta nach Bali – Dieng Plateau

Nach einer weiteren Nacht in Pangandaran, führte uns der Weg früh morgens in Richtung Dieng Plateau. Am Nachmittag erreichten wir bei strömendem Regen, die mystische Hochebene in den Bergen. Im Ort mussten wir uns erst durch die Wassermassen auf der Straße durchkämpfen. Nebelschwaden umhüllten die Ruinen der alten buddhistischen Tempelstadt. Ein örtlicher Führer erklärte uns die Bedeutung der einzelnen Gebäude. Nach kurzer Fahrt erreichten wir die noch aktiven Schlamm- und Schwefellöcher der Hochebene. Heißes Wasser sprudelte hervor, Schwefeldampf lag in der Luft und braune, kochende Schlamm­löcher blubberten und brodelten im fahlen Licht. Ein wirklich mystischer Ort!

Yogyakarta – Borobodur und Prambanan

Am späten Nachmittag schlängelten wir uns die Bergstraße hinab ins Tal in Richtung Yogyakarta. Im Grand Hyatt angekommen, trafen wir einige deutsche Familien aus Jakarta, unter anderem auch Familie Grombach aus BSD, die wir bereits in Bandung im Hotel getroffen hatten. Java ist doch nicht so groß und man trifft sich immer wieder!

Nachdem es nicht unser erster Aufenthalt in Yogyakarta war und wir all die Sehens­wĂĽrdig­keiten, wie Borobodur, Prambanan, Sultanspalast und sonstige Tempel, bei frĂĽheren Reisen schon abgehakt hatten, konnten wir am nächsten Tag das Dolce Vita genieĂźen. FĂĽr die Kinder war Pool und fĂĽr mich Golf angesagt. Der 9-Loch-Platz (Par 30) erfordert ein akkurates Kurzspiel. Das Hyatt bietet fĂĽr KIMS-Holder derzeit gĂĽnstige Zimmer­preise, einschlieĂźlich Green Fee und Caddie GebĂĽhr, Rp. 305´000,– ++ pro Nacht.

Nach einem Mittagessen im Ibis-Hotel, das üb­rigens erst noch gut schmeckte, stand ein Bummel über die Malioboro, die Einkaufsstraße Yogyas, an. Zum Abschluss durfte auch ein Abstecher noch Kota Gede, der Silberstadt Yogyakartas, nicht fehlen. Leider schließen die meisten Geschäfte be­reits um fünf Uhr, was man wissen sollte.

Nach einem kräftigen Frühstück, setzten wir unse­ren Weg in Richtung Solo fort. Kurz außerhalb Yogyas stoppten wir bei der Galerie von Sapto Hudoyo. Der Künstler und seine Frau haben über die Jahre, Antiquitäten, Gemälde und Kunst­gegestände aus ganz Indonesien zusammenge­tra­gen. Selbst Altbundeskanzler Helmut Kohl besich­tigte bei seinem Besuch in Yogya, die Galerie. Trotz all der prominenten Gäste kann man nach wie vor noch handeln, und so erstand ich eine alte Wayang Kulit Puppe.

Jakarta nach Bali – Sukuh Tempel Symbol der Fruchtbarkeit

Solo, sprich Surakarta ließen wir links liegen und wandten uns in den Bergen, dem Sukuh Tempel zu. Dieses Bauwerk dürfte wohl eines der rätsel­haftesten Gebäude in Indonesien sein. Ähnlich ei­nem Maya-Tempel gebaut, war der Tem­pel einst ein­deutig der Fruchtbarkeit gewidmet, was durch erotische Szenen und Phallus-Darstellungen doku­mentiert wird. Fast undenkbar im heutigen isla­mi­schen Indonesien.

Sarangan, Luftkurort mit erster deutscher Schule

Weiter durch die Berge erreichten wir Sarangan. Dieser Luftkurort, an einem kleinen See gelegen, beherbergte während des Zweiten Weltkrieges, die erste deutsche Schule Indonesiens. In ihrer Blüte­zeit wurden hier 180 deutsche Kinder unterrichtet. Allerdings ist heute nichts mehr zu erkennen, da die Holländer bei ihrem Abzug aus Java im Jahre 1948, eine Politik der verbrannten Erde betrieben.

Den See und einen nahen Wasserfall kann man zu FuĂź oder mit dem Pferd erkunden. Direkt am See fanden wir ein Hotel, mit zwar einfachen Zimmern, dafĂĽr jedoch mit offenem Kamin ausgestattet. Nach einem Ausritt und Sprung in den Pool, konnten wir das Abendessen vor dem Kaminfeuer genieĂźen.

Durch eine schöne Vulkanlandschaft, erreichten wir am Nachmittag den Finna Golfclub bei Tre­tes. Es erwartete uns ein traumhafter Bungalow, mit elegantem Interieur. Ein riesiges Badezimmer, mit Innen- und AuĂźendusche, sowie einem Whir­pool, lud zum Verweilen ein. Die Anlage verfĂĽgt ĂĽber einen schönen Pool, Tennisplätze und mehrere Restaurants. Der Golfplatz ist sehr gepflegt, teils interessant ĂĽber Reisterrassen hinweg zu spielen, und das Preisniveau, trotz der gehobenen Aus­stattung, nicht ĂĽbertrieben. Donnerstags ist derzeit Senior (Âł 50), Ladies und Juniors Day und die Greenfees betragen einschlieĂźlich Cart und Caddie, Rp. 135’000,– nett und Rp. 99’000,– fĂĽr Jugend­liche. Am Wochen­ende liegen die Greenfees aller­dings beträchtlich höher. Dasselbe gilt auch fĂĽr die Bungalows, wochen­tags zahlen KIMS-Holder zur Zeit Rp 399’000,– ++ zgl. FrĂĽhstĂĽck (Tel.: 0343-634 888, Fax: 0343-632 156). Es werden auch Aus­flĂĽge zum Bromo organisiert. Diese An­lage ist auch fĂĽr Nicht-Golfer sehr empfehlenswert.

Bromo – dampfender Vulkan

Nach zwei Nächten im Finna Golf & Country Club, fuhren wir ĂĽber Ngadisari Richtung Bromo. Am Bromo Raya Hotel vorbei, erreichten wir zur Mittagszeit Yoschi’s Guesthouse. Dieser nette Traveller-Treff gehört einer Deutschen, die aller­dings gerade nicht anwesend war. Hier kann man recht gut essen und fĂĽr Rp. 100’000,– einen Jeep fĂĽr die Erkundung des Bromo-Semeru-Massiv mieten. Der Semeru ist mit 3’676 m der höchste Berg Javas. Semeru, Bromo und fĂĽnf weitere Vulkane, liegen innerhalb des mit Sand bedeckten Tengger-Kraters. Das Sandmeer ist mit rund zehn Kilometern Durchmesser eines der größten der Welt. Vom Kraterrand aus hat man einen herrlichen Ausblick ĂĽber die weite Sandfläche, die Vulkane und das mitten im Sand liegende buddhistische Kloster. Mit dem Jeep erreicht man ohne Probleme den 2’770 m hohen Aussichtspunkt, Mount Penanjakan. Den Bromokrater selbst kann man in kurzer Zeit ĂĽber Treppen oder mit dem Pferd erklimmen. Vom Kraterrand blickt man in den dampfenden, stinkenden Schlund hinab.

Am riesigen Kraftwerk von Paiton vorbei, das am Abend wie ein Palasthotel erleuchtet ist, erreichten wir Pasir Putih, an der NordkĂĽste Javas. Das Sido Munol, das wohl beste Hotel am Platz, war leider ausgebucht, so dass wir im Pasir Putih Inn ab­stiegen. Laut meinem ReisefĂĽhrer, ein etwas bes­seres Hotel, direkt am Meer. Aber wie bereits erwähnt, sollte ich mir doch einmal ein neues Reisehandbuch gönnen. Der Glanz des Hotels war erheblich verblasst und nur mit Schwierigkeiten konnten HandtĂĽcher und Aqua aufgetrieben werden. Das FrĂĽhstĂĽck war das tollste auf  Java – zuckersĂĽĂźer Tee und Toastbrot mit gesalzener Blue-Band-Margarine und Schokoladestreusel. Alles zum unschlagbaren Preis von Rp. 75’000,– fĂĽr drei Personen mit FrĂĽhstĂĽck. Der AC funk­tio­nierte jedoch und der Fernseher brachte immerhin stark flimmernd indonesische Nach­richten. Was will man schlieĂźlich mehr.

Jakarta nach Bali – mit der Fähre übersetzen

Nach einer Fahrt am Rande der Wälder des Baluran Natio­nalparkes vorbei, erreichten wir in der Nähe von Banyu­wangi, die Anlegestelle nach Bali. Alle zwanzig Minuten setzt die Fähre über, und nach einer halben Stunde landet man im Norden Balis.

Entlang der nördlichen Küstenstraße, führt der Weg nach Lovina Beach, einem Badort kurz vor Singaraja. Nachdem bereits Migg Jaegger von den Rolling Stones in den Baruna Cottages abgestiegen war, wollten wir diese Anlage ebenfalls kennen­lernen. Natürlich war auch Familie Grombach hier abgestiegen. Die Bungalow-Anlage verfügt über einen kleinen Pool und liegt direkt am Strand. Das Restaurant kann man allerdings vergessen. Nachteil der Anlage ist, dass man fast zehn Kilometer ins Zentrum von Lovina fahren muss, wo es jedoch einige nette und sehr billige Lokale gibt. Lovina erinnert sehr an Kuta vor zwanzig Jahren.

Zwei Nächte später erreichten wir Kuta, das End­ziel unserer Reise. Nach ein paar Tagen Erholung im Holiday Beach Hotel kehrten wir mit dem Flugzeug nach Jakarta zurück.

Der Fahrer benötigte zweieinhalb Tage fĂĽr die RĂĽck­kehr nach Jakarta. Die Fahrt ĂĽber die Land­straĂźen dauert doch seine Zeit, da immer ein lang­sameres Fahrzeug vor einem unterwegs ist und Ăśberholen, auf Grund des Gegenverkehrs, oft sehr schwie­rig ist. Unser Fahrer fuhr sehr umsichtig und kannte sich sehr gut aus. Das Auto war geräumig, und drei bis vier Personen fanden ausreichend Platz. FĂĽr Auto, Benzin und Fahrer, einschlieĂźlich dessen Ăśbernachtungs- und Verpflegungskosten, zahlten wir Rp. 210’000,– nett bei PT. Kultur & Natur, Tel 392 8323, Fax: 392 8341. Die Hotel­kosten lagen während der gesamten Reise zwischen Rp 75’000,– und 525’000,- nett fĂĽr drei Personen inkl. FrĂĽhstĂĽck.

Die Reise von Jakarta nach Bali war sehr interessant, abwechslungsreich und hat selbst den Kindern SpaĂź gemacht.

Java ist wirklich eine Reise wert.

Christa Stuber