Malaysia trotzt Corona – Videoclip und Lagebericht


Der Nasenaffe (Nasalis larvatus) lebt ausschließlich auf Borneo. Die Malaysier nennen den Affen auch Orang Belanda, was Holländer bedeutet.
Videoclip zur Situation in Malaysia von Dr. Dustin Pfundheller (in Englisch)
 Der Zahnarzt besuchte 193 Länder bevor er 30 Jahre alt war. Inzwischen lebt und arbeitet der Amerikaner in Singapur

Warum berichte ich über Malaysia? Weil mein Mann und ich nach der Pensionierung beschlossen haben, den größten Teil des Jahres in diesem südostasiatischen Land zu verbringen. Seit Mitte Januar bin ich zurück auf der Insel Borneo und erlebe hautnah, wie Malaysia dem Coronavirus trotzt.

Zahlreiche Touristen zieht es in den europäischen Wintermonaten nach Borneo – der drittgrößten Insel der Welt. Die malaysischen Staaten Sabah und Sarawak locken mit Traumstränden, Golfplätzen und einer fantastischen Fauna und Flora. Dies schätzen insbesondere chinesische und koreanische Urlauber mit Direktflügen nach Kota Kinabalu (KK) in Sabah. Viele entfliehen der kalten Jahreszeit und verbringen Strand- oder Golfurlaub in KK und Umgebung.

Ende Januar schloss Malaysia die Grenze für Besucher aus Wuhan und der Provinz Hubei, danach folgte das restliche China und Ende Februar Südkorea. Weitere Staaten folgten. Malaysische Rückkehrer aus diesen Ländern mussten in 14-tägige Heimquarantäne. Bis dahin war Sabah frei von Covid-19 Fällen.

Dann geschah das Unglaubliche – vom 27. Februar bis zum 1. März fand in der Moschee „Masjid Jamek Sri Petaling“ bei Kuala Lumpur in Westmalaysia ein religiöses Treffen statt. Insgesamt nahmen 16.000 Gläubige daran teil, davon 1.500 Ausländer. Die Teilnehmer aus Borneo brachten das SARS-CoV-2-Virus mit auf die Insel. Der erste positiv Getestete war ein Bürger aus Brunei, Sabahs kleinem Nachbarstaat. Damit begann die rasante Ausbreitung im ganzen Land und Malaysia nahm schnell einen Spitzenplatz in Südostasien ein.

Am 18. März reagierte die malaysische Regierung und zauberte zunächst für zwei Wochen ein „Movement Control Order (MCO)“ aus dem Hut. Diese Anordnung schränkte die Bewegungsfreiheit massiv ein. Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Arztpraxen und lebensnotwendige Betriebe durften öffnen, weitgehend wurde Heimarbeit verordnet. Zum Einkaufen durfte nur ein Familienmitglied fahren. Hotels und Restaurants mussten schließen, nur Catering war erlaubt. Damit kam praktisch alles zum Erliegen. Diese strikte Quarantäne wurde mehrfach verlängert und galt bis zum 4. Mai in Westmalaysia und bis zum 9. Mai in Sabah und Sarawak. Sie ist mit vielfacher Erleichterung noch immer in Kraft. Die Polizei kontrollierte strikt und wer dagegen verstieß landete schnell für zwei Wochen im Gefängnis.

Während des MCO strandeten Tausende von Schülern und Studenten, ihnen war eine Rückkehr ins Elternhaus untersagt. Mit der Erleichterung konnten sie zurückkehren, unter der Auflage einer 14-tägigen Heimquarantäne. Leider hielten sich einige nicht daran oder machten gegenüber den Behörden falsche Angaben. Nachdem die Neuinfektion in Sabah praktisch bei null lag, schoss sie schlagartig auf zehn hoch. Schade, dass gerade Studenten verantwortungslos handeln und andere damit gefährden.

Das wirtschaftliche Ausmaß dieser strikten Bewegungseinschränkung muss sich noch zeigen. Erste Verkäufe von Restaurants und Hotels zeichnen sich ab. Um die finanziellen Einbußen für die Einwohner zu mildern, erließen die Staatsbetriebe einen Teil der Strom-, Wasser- und Internetkosten. Hotel- und Restaurantangestellte erhielten finanzielle Unterstützung, die Banken vergaben unbürokratisch Kleinkredite und stundeten die Rückzahlungen für Besitzer von Wohneigentum.

Allerdings leben in Sabah viele sogenannte „Illegals“, das sind illegale Arbeiter aus den Philippinen und Indonesien. Diese Taglöhner trifft es besonders hart, da ihre Einnahmequellen während des MCO versiegten. Es bleibt zu hoffen, dass dies der Kleinkriminalität keinen Vorschub leistet.

Derzeit ist Ramadan, der Fastenmonat des Islams. Traditionell ist das Ende der höchste Feiertag und wird wie Weihnachten im Kreis der Familie mit Geschenken gefeiert. Seit dem 9. Mai sind hier in Sabah die meisten Geschäfte wieder offen, aber es herrscht Maskenpflicht in den Shoppingmalls und auf Social Distancing wird geachtet. Ebenfalls öffneten die Hotels, Restaurants und Golfplätze mit Einschränkungen wieder ihre Pforten. Am Abend des 23. Mai endet die Fastenzeit. Die Moslems müssen ihn dieses Jahr anders feiern – mal sehen, wie sich das auf die Verbreitung des Coronavirus auswirkt.

Das Fazit: Malaysia trotzte dank dieser rigorosen Maßnahmen dem Virus. Im Vergleich zu den südostasiatischen Nachbarländern schnitt das Land bestens ab. Selbst verglichen mit Singapur, das für sein sehr effizientes Gesundheitswesen bekannt ist, steht Malaysia im Kampf gegen die Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus gut da.
Die Versorgung mit Lebensmitteln war in Sabah immer gegeben, es mangelte an nichts, selbst der Kampf um Toilettenpapier fand nicht statt. Wir haben bestens überlebt, allerdings vermissten wir den Gang in die Natur. Zum Glück besitzen wir eine geräumige Wohnung und genießen vom Balkon den Blick aufs Meer und die Berge, so können wir uns nicht beklagen.

Aktueller Stand am 17.05.2020: Neuinfizierung – insgesamt – Todesfälle

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Link: Corona – aktueller Stand Malaysia, aufgegliedert nach den einzelnen Bundesstaaten

Lederwaren – nach fast acht Wochen Quarantäne in den Tropen

Auf Seite 2: Corona – wie sich Liberia erfolgreich schützt

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