Peru-Reise 19.11. – 13.12.2018

Peru – Arequipa und Colca-Schlucht (Teil 2)

Arequipa

Arequipa, wegen des hellen Tuffsteins auch als “Weiße Stadt” bezeichnet, ist eine quirlige Universitätsstadt auf etwa 2300 Metern mit schönen Straßencafés hinter dem Plaza de Armas mit der neoklassischen Kathedrale. Arequipa ist Ausgangspunkt für Reisen zum Colca Canyon, eine der tiefsten Schluchten dieser Welt.

Plaza de Armas mit der neoklassischen Kathedrale
Zahlreiche Vulkane erheben sich um die Stadt

Gegenüber der Klosteranlage Santa Catalina beginnt eine gut zweistündige Free Walking Tour. Sie gibt einen Überblick über die Altstadt mit ihren zahlreichen im Mestizenbarock erbauten Kirchen und engenGassen aus der spanischen Kolonialzeit. Die Tour endet in der Markthalle von Arequipa, wo man sich gut verpflegen kann.

Zahlreiche im Mestizenbarock erbaute Kirchen
Die Free Walking Tour führt durch beschauliche Gassen
Enge Durchgänge verbinden die Straßen in de Altstadt

Lohnenswert ist ein Besuch des Dominikanerinnen-Klosters Santa Catalina. Der Eintritt beträgt 40 Soles pro Person, hinzu kommen für eine optionale Führung in Deutsch nochmals PEN 20 pro Paar, was sich jedoch lohnt.

Santa Catalina – Das weiträumige Kloster ist eine Stadt in der Stadt
Die Nonnen aus reichem Haus lebten in großzügigen Wohnungen, durften das Kloster jedoch nie verlassen

“Juanita” sollte man auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Diese mehr als 500 Jahre alte Mumie wurde 1995 im ewigen Eis auf über 6000 Meter am Vulkan Ampato gefunden. Die Ausgrabung ist in einem Film dokumentiert, ebenso, wie der Versuch ihre mehrmonatige Reise von Cusco zum Berg zu rekonstruieren. Die Inka-Priester hatten das etwa 13-jährige Mädchen bereits bei ihrer Geburt auserwählt, den Göttern als Opfer zu dienen. “Capac Cocha” hieß diese große Zeremonie der Inkas, die alle vier bis sieben Jahre oder bei drohenden Naturkatastrophen vollzogen wurde.
Dank der Konservierung im Eis, ist ihr Körper weitgehend erhalten. Sie wird in einer Glasvitrine bei -26 °C im Museo Santuario Andinos, nahe dem Plaza Armas, aufbewahrt. In der Ausstellung wechselt sich Juanita mit Sarita ab, ein anderes Mädchen, das 1996 im Sara Sara Gebirge gefunden wurde. Neben den beiden Menschenopfern, sind zahlreiche Grabbeigaben ausgestellt. Leider war fotografieren verboten.

Das Franziskaner-Kloster La Recoleta.
Kreuzgang im Franziskaner-Kloster

Ein weiteres Kleinod ist das Franziskaner-Kloster La Recoleta. Neben verschiedenen Ausstellungsräumen mit präkolumbischen Artefakten und Informationen über die Missionierung im Amazonasgebiet, bildet die Bibliothek ein echtes Highlight. Über 20’000 gut erhaltene Bücher stehen in Reih und Glied in einem unklimatisierten Raum. Die ältesten Bücher stammen aus dem 16. Jahrhundert. Bevor der Buchdruck nach Peru kam, legten die Bücher eine weite, nicht ganz ungefährliche Reise zurück. Aus ganz Europa wurden die Bücher über Sevilla, die Kanaren, die Karibik nach Cartagena verschifft und weiter über Land durch den Isthmus von Panama. Danach erneut per Schiff  über den Pazifik nach Lima und schließlich auf dem Rücken von Pferden und Eseln nach Arequipa. Es ist kaum zu glauben, dass diese Bücher noch in einem so guten Zustand sind.
Da das Kloster etwas außerhalb der Stadt liegt, waren wir am Nachmittag die einzigen Besucher. Ausgestattet mit einem kleinen Lageplan, hieß es für PEN 10 das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Für Buchliebhaber ein absolutes MUSS.

Die Bibliothek im Kloster La Recoleta beherbergt über 20’000 Bücher aus ganz Europa

Colca Schlucht

Wir hatten uns für ein dreitägiges Trekking entschieden. Um 3 Uhr morgens ging es von unserem Hotel Casa de Avila los. Chivay, oberhalb des Colca-Tales, liegt gut drei Stunden von Arequipa entfernt, die Fahrt dorthin führt über einen über 4’900 Meter hohen Pass. Nach dem Frühstück ging es weiter zu einem Aussichtspunkt, um die Anden-Condore bei ihrem Start in die Lüfte zu beobachten. Leider sahen wir nur zwei der Vögel beim Abheben.

Die Terrassen im Colca-Tal stammen noch von den Inkas

Gegen 9:30 Uhr begann der 3-stündige Abstieg in den Canyon. Der Weg führt teils über einen sandigen, mit Geröll übersäten, Pfad hinab, teils aber auch über Felsstufen. Nach der Brücke über den Colca-Fluss ging es eine weitere halbe Stunde auf der gegenüberliegenden Talseite steil bergauf.
Das Mittagessen nahmen wir in unserer einfachen, aber schön gelegenen Lodge in San Juan de la Cuccho ein.

Nach dem Abstieg führte der Weg durch üppige Vegetation bergauf. Im Tal wachsen zahlreiche tropische Früchte, wie Avocados und Feigen

Unsere nette Truppe bestand aus zwei Franzosen, einer Holländerin, einer Badenerin und einem Franken. Wir hatten es echt lustig zusammen und das Bier in der Lodge ließ die Strapazen des Abstiegs vergessen.

Unsere einfache Unterkunft in San Juan de la Cuccho
Der Blick von der absolut ruhig gelegenen Unterkunft war traumhaft
Alpaka-Fleisch wird gesalzen und zum Trocknen aufgehängt

Am nächsten Tag erreichten wir nach 4 1/2 Stunden unsere Lodge Cielo in Oasis. Die ersten vier Sunden ging es abwechselnd bergauf und bergab, die letzten 30 Minuten mussten wir uns mit einem erneuten Aufstieg erkämpfen. Dafür erwartete uns die Lodge mit einem Pool.

Eine alte koloniale Kirche auf dem Weg nach Oasis
Der Colca-Fluss
Der Pool in unserer Lodge
Gemütlicher Sitzplatz in der Cielo Lodge, hier gab es Mittag- und Abendessen
Mit Bier und Cocktails konnten wir am Abend Christinas 33. Geburtstag feiern

Christina feierte ihren 33. Geburtstag, aber der Gedanke an unseren Aufstieg am nächsten Morgen, ließ uns dann doch nicht allzu lange feiern. Um 4:30 Uhr ging es los. Die schnellsten schafften den Zick-Zack-Weg mit fast 1000 Höhenmetern in zwei Stunden. Ich selbst bildete das Schlusslicht und erreichte den Rand der Schlucht nach drei Stunden und 20 Minuten, aber ich habe es geschafft!

Von Oasis führt der steile Weg senkrecht teils überhohe Steinstufen nach oben
Oasis ist wirklich eine tropische Oase tief unten in der Schlucht
Wir haben es geschafft – und freuen uns aufs wohlverdiente Frühstück
Die heißen Quellen linderten den Muskelkater

Nach dem Frühstück ging die Fahrt im Bus zu heißen Quellen, eine Wohltat für unsere Muskeln. Beim Mittagessen in Chivay schlugen alle kräftig zu. Die Kosten fürs Bad und Buffet gingen extra, aber bei einem Preis von USD 50 für Fahrt, Übernachtung, Verpflegung und englischsprachigem Guide konnten wir nicht meckern. Die Hütten waren einfach, das Essen gut, aber für einige waren die Portionen zu klein. Da es uns meist zu viel war, konnten wir gerne etwas abgeben.

Speiender Vulkan auf dem Weg zu den heißen Quellen

Auf dem Rückweg hielten wir an einem Nationalpark an, wo wir wild lebende Alpakas, Lamas und Vicuñas sahen. Letztere sind eine Lama-Art und zählen zur Familie der Kamele.

Wilde Alpakas
Vicuña – Die Wolle ist der edelste Zwirn der Welt. Nach der Verarbeitung liegt der Preis pro Kilo bei rund 10’000 Euro. Die Tiere stehen unter Naturschutz, das Schären ist streng reguliert.

Wir waren eine nette Truppe, nur unser Guide war etwas seltsam, teilweise sogar unhöflich. Die Trekkingtour war anstrengend, aber technisch nicht schwierig, wobei Trekkingstöcke, gerade über die hohen Felsstufen, sehr hilfreich waren.

Gegen Abend erreichten wir Arequipa glücklich und zufrieden.