Südkalimantan – oder auf den Pfaden der Banjaresen und Dayaks

Borneo – drittgrößte Insel der Welt, umfaßt etwa 28% des indonesischen Staatsgebietes, beherbergt jedoch nur etwa 10 – 11 Millionen Menschen. Der Name stammt vom Sultanat Berunai ab, dem heutigen Brunei. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens, wurde der Name in „Kalimantan“ geändert. Die Bevölkerung ist vorwiegend in den Küstenstädten konzentriert, das Landesinnere teilweise noch unerforscht.

Banjarmasin

Von Jakarta kommend, erscheint Banjarmasin wie eine echte Provinzstadt. Keine Marmorpaläste, keine Luxushotels, dafür genügend Verkehr und Gewimmel auf den Straßen. Banjarmasin, in Südkalimantan gelegen, wird oft auch als Venedig des Ostens bezeichnet. Gemein­sam sind jedoch nur die stinkenden Flüsse und Kanäle – die Romantik des Canale Grande mit seinen Gondolieris oder die Staßencafés des Markusplatzes fehlen.

Eine Fahrt auf dem Fluß bietet trotzdem seinen eigenen Reiz. Frühmorgens über den Martapura, durch den Queens-Kanal zum Floating Market im Barito, dem längsten Fluß Indonesiens, ist ein Erlebnis für sich. Links und rechts des Bootes spielt sich das Leben der Banjaresen ab. Im Fluß wird gewaschen, gebadet, Haare gewaschen, das Geschäft erledigt und die Zähne geputzt. Die Holzhäuser sind über das Wasser gebaut und die Versorgung erfolgt größtenteils über den Fluß. Da fährt das Boot mit Trinkwasser vorbei oder es werden Früchte angeboten und der schwimmende Warung fehlt ebenso wenig. Selbst die Moschee ist halb ins Wasser gebaut. Überall freundliche Menschen, die winken, lachen und das altbekannte „Hallo Mister“ rufen.

Der Floating Market ist der Handelsplatz Banjarmasins. Holzboot an Holzboot, wechseln die Waren die Besitzer. Obst und Gemüse aus entfernteren Gebieten werden morgens zwischen fünf und acht Uhr feilgeboten. Hier ist das Geschick unseres Skippers gefragt, mit dem Motorboot anzulegen. Ganz in der Nähe des schwimmenden Marktes liegt die Affen­insel Kembang. Auf der Insel steht ein kleiner chinesischer Tempel, der auch schon einmal bessere Tage erlebt hat. Für die Einheimischen ist dies ein beliebtes Ausflugsziel, was leider am Müll zu erkennen ist. Die Affen sind frech und man sollte seine Tasche fest im Griff haben. Bei unserer Ankunft sitzt hoch oben im Baum gerade ein Affe und räumt den Rucksack eines kleinen Mädchens aus, was natürlich zu Kullertränen führt.

Das Atrum Kalimantan Hotel, das beste vor Ort, ist seit kurzem wieder teilweise eröffnet. Es war 1996, bei den Unruhen zusammen mit der angrenzenden kleinen Shopping-Mall, den Flammen zum Opfer gefallen. Wer gerne Bleiluft atmet, kann mit dem Becak eine Stadtrundfahrt unternehmen, allerdings bietet die Stadt selbst nicht sehr viel Sehenswertes.

Loksado

Die Fahrt führt von Banjarmasin zunächst nach Kandangan und weiter nach Tanui Village ins Gebiet der Dayak. Von hier führt ein idyllischer Pfad nach Loksado. Seit 1997 ist Loksado auch über eine Straße erreichbar, so kann das Gepäck per Auto nach Loksado gelangen und die zweieinhalb­stündige Wanderung wird zu einem unbeschwerten Genuß. Der Pfad windet sich links und rechts des Amandit-Rivers entlang über mehrere Hänge­brücken nach Loksado. Vorbei an Zimt-, Nelken- und Gummibäumen wandert man durch kleine Kampungs langsam in die Höhe. In Loksado kann man in einfachen Cottages übernachten oder vor Loksado in der Amandit River Lodge.

Am Abend erreichen wir nach einer kurzen Nachtwanderung das Langhaus der Dayaks in Malaris. Etwa 22 Familien wohnen noch in dem traditionellen Haus. Jede Großfamilie besitzt ein eigenes Zimmer und eine Küche. Aber auch hier ist die Zeit nicht stehengeblieben. Im großen Wohnraum sitzen alle vor dem Fernseher, einem Geschenk der Regierung. Der Film ist zu Ende und die Nachrichten beginnen, fluchtartig verschwinden alle in ihre Zimmer, ob das wohl im Sinne der Regierung ist? Einige ältere Dayakfrauen flechten noch ihre Rattankörbe und bieten sie zum Kauf an, teilweise recht kunstvolle Flechtwerke. Freudig und stolz zeigt uns eine Frau ihre Küche, hier ist von der modernen Technik nichts zu sehen. Nach wie vor wird mit primitiven Geräten über dem offenen Feuer gekocht. Direkt unter der Küche quieken die Schweine, Hunde bellen und Katzen miauen. Die Dayaks zählen zu den proto­malaiischen Völkern und die Bewohner des Langhauses zelebrieren wie in alten Zeiten ihre animistischen Riten. Wer einen Glauben annimmt, sei er moslemisch oder christlich, zieht in ein eigenes Haus, dies jedenfalls war die Auskunft unseres Führers Sam, eines christlichen Dayaks.

Am nächsten Morgen beginnt unser nächstes Abenteuer – eine Fahrt mit dem Bambusfloß, den Amanditfluß hinunter. Der Wasserstand ist nicht hoch, so ist die Fahrt eigentlich nicht gefährlich, auch nicht für Kinder. Das Floß besteht aus 18 langen Bambusstangen, die nur durch Bambus­blätter miteinander verknotet sind. Das Floß wird nur einmal benutzt und das Holz bei der Ankunft für Rp. 300,– das Stück verkauft.

Mit Bambusstecken manövriert unser Bootsführer das Floß durch die Stromschnellen. Voll konzentriert steht er am Bug, stößt den Stecken ins Wasser und müht sich ab, das lange Gefährt um die Flußbiegungen zu lenken. Teilweise hängt er, sich am Stecken festhaltend, frei in der Luft und gleich zu Beginn unseres Trips landet er im Wasser. Schnell schwingt er sich wieder aufs Floß und es werden ihm zweieinhalb Stunden Höchstleistung abverlangt. Die ersten zwei Stunden genießen wir die Fahrt bei schönstem Sonnenschein, bis Gewitterwolken aufziehen. Gott sei Dank regnet es nur in Strömen, das Gewitter läßt auf sich warten. Beim Auto angelangt, darf ich mich im Schlafzimmer eines freundlichen Nach­barn umziehen – ein Privileg der Frau.

Martapura

Auf dem Rückweg nach Banjarmasin führt der Weg durch Martapura, der Diamantenstadt Indonesiens. Neben der Besichtigung einer Mine und einer Diamanten­schleiferei, kann man sich günstig mit den entsprechenden Steinen, ob Brillanten, Saphire oder auch nur Halbedelsteine, eindecken

Asam-Asam

In der Nähe des Flughafens biegt die Straße in Richtung Pleihari ab und durchquert den Ort Bati Bati. Hier vernichtete letztes Jahr eine Feuerbrunst einige hundert Häuser. Inzwischen sind ein Großteil, der auf Pfählen im Wasser stehendend Holzhäuser, wieder aufgebaut. Eine Fahrtstunde hinter Pleihari, kurz vor Kintap, liegt Asam-Asam. Hier entsteht ein neues Braunkohle­kraftwerk im Auftrag von PLN, das die Stromversorgung von Banjarmasin künftig sicherstellen soll. Die Gegend ist reich an Braun- und Steinkohle, entsprechend ist der Verkehr auf der Straße. Die gesamte Kohle wird mit Lastwägen nach Banjarmasin transportiert.

In Asam-Asam kann man die Baustelle besichtigen und mit dem Boot den Sungai Asam-Asam hinunter zum Meer fahren. Der Fluß dient als Transportweg für die Anlieferung der schweren Kraftwerks­komponenten.

Batulicin

Die Straße führt von Asam-Asam weiter nach Batulicin. Kurz davor liegt der Marktfleck Pagatan, mit einigen Sandstränden. Laut Reiseführer soll es hier die Agita Cottages geben, die sich jedoch als Hundehütten erwiesen. Hinter Batulicin gibt es dank der Kodeco, der Korean Development Company, ein sehr schönes Hotel, leider ohne Restaurant. Vom Wohnzimmer der Juniorsuite hat man einen herrlichen Ausblick auf die Buschlandschaft, das Meer und die vorgelagerte Insel. Etwa 10 km weiter liegt ein traumhafter Golfplatz – leider derzeit nicht bespielbar, da es Querelen mit den örtlichen Behörden gibt. Im „Depot Plazau“ in Batulicin ißt man recht gut Chinesisch und man erhält, was absolut nicht üblich ist in Südkalimantan, ein kaltes Bier.

In etwa einer halben Stunde kann man mit der Autofähre, nach Kota Baru, der vorgelagerten Insel übersetzen. Durch Kiefernwald und Buschlandschaft führt die gut ausgebaute Straße etwa 30 km zur Stadt. Kota Baru ist das Gegenstück von Batulicin, eine kleine, saubere und nette indonesische Kleinstadt. Neben der Moschee gibt es vier christliche Kirchen entlang der Hauptstraße, die links und rechts mit einem richtigen Gehsteig versehen ist. Welch ein Anblick in dieser abgelegenen Gegend!

Auf der Rückseite der Insel befinden sich einige mit Palmen gesäumte Sandstrände mit etwas Glück sogar ein Fleckchen, wo einmal kein Haus steht. Allerdings sind die Kinder trotzdem schnell anwesend und lassen sich das seltene Schauspiel von badenden Bules nicht entgehen. Auch Sonntagsausflügler, ob mit Motorrad oder Auto, halten einfach an und suchen das Gespräch.

Süd-Kalimantan bietet noch einige weitere Sehenswürdigkeiten, leider war die Zeit zu kurz. Der Besuch der Orang Utan Station im Tanjung Puting Nationalpark und eine Schifffahrt auf dem Barito, landeinwärts in Richtung Zentral­kali­man­tan,  muß bis zur nächsten Reise warten.

Christa Stuber