Batak – Sumatra

Zu Gast im Hochland

Ausgangspunkt für eine Reise ins Batak-Land ist Medan, die Hauptstadt der Provinz Nordsumatra und mit rund zwei Millionen Einwohnern, dritt größte Stadt Indonesiens. Von Jakarta aus in zwei Flug­stunden erreichbar, kann man in Medan den Sultanspalast und die große Moschee besichtigen, sofern man nicht gerade an Idul Adha, dem höchsten Feiertag der Moslems, diesen Versuch unternimmt. Der Not gehorchend, beschließt unsere Reisegruppe, die Besichtigungen zu verschieben und sie kurz vor unserem Rückflug am Ende der Reise durch­zuführen. Allerdings entschädigt der chinesische Tempel den Moscheebesuch. Etwas außerhalb von Medan liegt eine Krokodilfarm mit ca. 2000 Exemplaren, die offiziell nur für die Touristen gehalten werden.

Mit drei Führern ausgestattet, beginnen wir unsere Wanderung durch den Urwald von Sumatra, auf der Suche nach den Orang Utans. Bukit Lawang, am Rande des Gunung Leuser Nationalparks gelegen, bietet sich auch als Ausgangspunkt für mehrtägige Trekkingtouren an. Um 15 Uhr werden die Affen von den Rangern gefüttert und wir versuchen über einen Pfad, abseits der Touristen­wege, den Fütterungsplatz zu erreichen. Der Tram­pel­pfad ist steil und stellenweise glitschig und hin­zu kommt natürlich der mittägliche Tropenschauer. Ottmar schlägt auch gleich einen Salto Mortale, zum Glück ohne Verletzung Aber unsere Mühe wird belohnt. Hoch über uns in den Baumwipfeln, turnt eine Orang Utan Mutter mit ihrem Baby. Angelockt durch die Bananen der Führer, steigen Mutter und Kind herab. Kurz darauf begegnet uns noch ein Orang Utan Teenager, namens Sandra. Um in der Wildnis überleben zu können, lernen die Affen den Nestbau. Jeden Abend wird eine neue Bettstatt errichtet. Nach Monaten oder Jahre der Auswilderung, verschwinden die Tiere eines Tages im Dickicht des Dschungels auf Nimmer­wiedersehen.

Auf dem Rückweg überqueren wir einen Fluss mit einem einfachen, schwankenden Holzboot, aber ein Bad im Fluss würde auch nicht schaden, da wir kaum noch nässer werden können.

Und die Zivilisation hat uns wieder – hunderte von Menschen, die sich am Fluss vergnügen. Da hilft nur noch ein Bier oder ein Rotwein und nach dem Kleiderwechsel, nichts wie weg mit unserem Bus.

Auf dem Weg zurück nach Medan überqueren wir eine etwas bau­fällige Brücke, aber die neue daneben ist be­reits im Bau. Jedoch ist die neue Brücke we­­nige Tage zu­­vor bereits während der Bau­­zeit einge­bro­chen, wohl keine gute Re­ferenz für den Baumeister.

Was hier fehlt ist eindeutig unsere BRÜCKE, die immerhin schon über zwanzig Jahre hält!

Von Medan aus führt die kurvenreiche Straße nach Brastagi in den Bergen. Nach einer kurzen Nacht in den, von Rasen und Blumen um­gebenen Brastagi Cottages, besichtigen wir am Morgen den Obstmarkt und ein Dorf der Karo-Batak. Bereits die Holländer genossen das ange­nehme Klima dieses im kühlen Hochland auf etwa 1400 m gelegenen Ferienortes.

Die Fahrt in Richtung Lake Toba führt durch ein fruchtbares Gebiet, mit Gemüsefeldern links und rechts der Straße. Eine Besonderheit sind die kunstvollen Häuschen inmitten der Felder und Dör­fer. Gebeinhäuser – erklärt uns unser gut deutsch­sprechender Führer Kulman. Die Toten der Batak werden zunächst in normalen Gräbern bestattet und nach Jahren werden in einer speziellen Totenfeier, die Gebeine entnommen. Die letzte Ruhestätte der Ahnen sind die Gebeinhäuser, in der Nähe der noch lebenden Verwandten.

Unterwegs halten wir an einem versteckten Kö­nigs­palast, Rumah Bolon genannt. Im Haus befinden sich zwölf Feuerstellen, für jede Frau des König eine eigene. Das etwa 180 Jahre alte Gebäude wurde bis 1945 bewohnt und dient heute nur noch als Museum Jedes Dorf hatte einen König, wie der Häuptling des Ortes genannt wurde.

Unser erster Blick auf den Toba-See ist atemberaubend. In einer Schlucht ergießt sich der ca. 80 m hohe Sipisopiso Wasserfall, bevor er in den See mündet.

In Prapat machen wir Mittagspause, bevor wir das Boot in Richtung Insel Samosir besteigen. Unser fast neuer, 20-sitziger Mercedes-Bus bleibt zurück. Das Hotelboot wartet bereits auf uns, und nach einer rund dreiviertelstündigen Überfahrt können wir direkt im Hotel Silintong, auf der Halbinsel Tuk-Tuk, einchecken. Nach einem ersten Streifzug durch den inzwischen etwas verlassenen Touristen­ort, entdecken wir das Restaurant und Guesthouse Romlan (Tel. 0625/41557), das einer Düssel­dorferin, die mit einem Bataker verheiratet ist, gehört. Hier kann man wunderschön über dem See sitzen und her­vor­ragend und reichlich essen. Unser treuer Begleiter, unser Rotweinkarton darf natürlich nicht fehlen auch wenn wir nur damit den Sangria des Restaurants verdünnen.

Mit dem Boot erreichen wir nach dem Frühstück, Ambarita, wo wir alte Batakhäuser, inzwischen leider mit rostigem Wellblech gedeckt, und einen alten Hinrichtungsplatz besichtigen. Wer den Batakern als Feind in die Hände fiel, hatte nichts mehr zu lachen. Er wurde kurzerhand enthauptet und aufgegessen. Mit dem Blut spülte der „Raja“ sein Frühstück hinunter. Neben den Häusern sind noch megalithische, etwa 300 Jahre alte Steinsitze und ein Tisch zu sehen.

Weiter geht die Tour mit dem Boot nach Si­manindo. Hier kann man noch einen Solu Bolon sehen, einen traditionellen Einbaum. Das Boot ist mit weiß, braun und schwarz angemalten kunstvollen Schnitzereien verziert. Die Zierde des Dorfes ist der riesige, heilige Baum, der das inzwischen zum Freilichtmuseum umfunktionierte Königshaus, überragt. Bevor die Bataker ein Dorf errichteten wurde zunächst ein Baum gepflanzt, so findet man überall im Batakgebiet viele 200 bis 300 Jahre alte Bäume der Gattung Ficus Benjamin. Im Freilichtmuseum führt uns eine Tanzgruppe mit traditioneller Tracht und Musik einige Tänze vor. Sogar die Gäste werden eingeladen mitzutanzen. Die Häuser sind hier noch Original mit Naturfasern gedeckt, was wesentlich hübscher aussieht, als das rostige Wellblech. Wir Damen, interessiert wie wir sind, landen auch gleich im Innern eines Hauses und die äußerst lie­benswürdige und geschäfts­tüchti­ge Ibu macht das Ge­schäft ih­res Le­bens. Ausge­stattet im tra­ditionellen Ba­tak-Outfit, ver­lassen wir, nach einem kurzen Blick ins Dorf­museum, den netten Ort.

Nach dem Mit­tagessen am See, besich­tigen wir noch die Steinsar­kophage von Tomok. Durch ein Glas Tuak, dem tradi­tio­nellen Palm­wein, gestärkt, treten wir die Rückfahrt an.

Im Anschluss an das  Abend­essen, ist Ba­tak­musik an­ge­sagt. Die Ba­taker sind sehr musi­ka­lisch und ihre Lieder erinnern sehr an südamerikanische Rhythmen. Zum Abschluss darf das Lied „Lissoi“ natürlich nicht fehlen.

Nach der Bootsüberfahrt bummeln wir noch durch Prapat, das von Wochenendausflüglern wimmelt. Sehenswert ist jedoch nur die Surkarno-Villa, die jedoch nicht besichtigt werden kann, da sie noch in Familienbesitz ist.

Nach einem kurzen Aufenthalt besteigen wir wieder unseren Bus und die Fahrt geht durch Plantagengebiete über Sianter in Richtung Medan. Gummi-, Tabak-, Kaffee-, Kakao-, und Ölpalm­plantagen wechseln sich ab. In Sianter machen wir im Sianter Hotel Rast, einem alten Kolonial­gebäude der Holländer. Interessant sind hier auch die öffentlichen Verkehrsmittel, alte BMWs mit Luxusbeiwagen.

Am Nachmittag erreichen wir Medan und natürlich wird in der Großen Moschee schon wieder gebetet. Also auf zum Sultanspalast, der allerdings noch von der Familie bewohnt wird. Leider kann nur der Empfangsraum besichtigt werden. In einem dritten Anlauf schaffen wir es endlich, die Moschee zu betreten. Kurze Hosen werden mit einem Sarong kaschiert und unser Kopftuch halten wir schon bereit. Ach wie sehen wir doch alle so hübsch aus, das muss einfach im Bild festgehalten werden!

Am Flughafen angekommen, müssen wir leider von unseren netten Begleitern Abschied nehmen. Im Flugzeug erhalten wir noch gute Plätze, landen pünktlich wieder in Jakarta und werden selbstverständlich noch nach Hause gebracht..

Wie immer war die Reise von Kultur & Natur (Tel. 537 6250) durch Herrn Kaka und Herrn Jumari sehr gut organisiert und der Preis einschl. des Fluges und des Trips nach Bohorok mit Rp. 3’375’000,– , angemessen. Die Hotels waren gut und man könnte es auf der Insel Tuk-Tuk durchaus länger aushalten. Die Bataker sind freundliche und gesellige, aber auch religiöse Menschen. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der protes­tantischen Batak-Kirche an, die Missionierung erfolgte ab 1860 durch die Rheinische Mission.

Leider war die Reise wie immer zu kurz, da es noch so viel zu sehen gäbe. In der kurzen Zeit haben wir jedoch das wichtigste Batak Wort gelernt, das so gut wie alles bedeutet, von guten Tag bis Gesundheit, von viel Glück bis Adieu und zum Abschied und Dank an die freundlichen Menschen des Bataklandes – Horas!

Christa Stuber