Batutulis

Brücke-Ausflug im September

Erstaunt blickten einige Herren im grauen Business-Outfit auf die Gruppe von Frauen, die sich in Turnschuhen und mit Rucksäcken bepackt am 25. September im Foyer des Kemang Hotels traf. Nach anfänglichen Bedenken, ob wohl genügend Fahrzeuge vorhanden seien, ging es mit der üblichen BRÜCKE-Verspätung gegen 8.15 Uhr los in Richtung Bogor. Ziel des Ausfluges war eine Wanderung mit zünftigem Picknick zu den Batutulis, den beschrifteten Steinen.

In Bogor angekommen, nahm uns Ingrid Wipplinger an der Autobahnausfahrt in Empfang und weiter ging die Fahrt in Richtung Ciampea, 45 Autominuten westlich von Bogor. Frau Wipplinger hatte uns bereits in Bogor mit Informationsblättern über die Batutulis und einer Straßenkarte ausgerüstet. Derart gut vorbereitet kamen wir am Ausgangspunkt unserer Wanderung an. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde Gehzeit durch eine ansprechende Landschaft kamen wir beim ersten Stein an.

Die Batutulis (batu=Stein, tulis=Schrift) zeugen von einer frühen Hochkultur in Westjava. Die Gegend um Ciampea war früher das Zentrum des Königreiches Tarumanegara, genannt nach der dort vorkommenden Pflanze Tarum, die zum Blaufärben genutzt wurde. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus, kamen indische Händler nach Java. Dreihundert Jahre später wurde das Königreich Tarumanegara gegründet. Die Handelspartner dieses seefahrenden Volkes waren China und Indien. Als Staatsform diente die Monarchie und Lobreden dienten zur Anerkennung des Königs. Die Steininschriften stammen etwa aus jener Zeit und geben die Lobeshymnen auf die damaligen Herrscher wider. Das Königreich Tarumanegara war im 7 Jahrhundert dem Untergang geweiht. Ab 919 verschwanden die Steininschriften für mehrere Jahrhunderte und niemand weiß, was mit ihnen geschah.

Die Sanskrit Inschriften dieser Region beziehen sich auf König Purnawarman, der etwa 450 nach Christus lebte. Einer dieser Steine kann auch im Nationalmuseum in Jakarta bewundert werden. Die Inschrift dieses Steines weist auf einen 11 km langen Bewässerungsgraben hin, der während der Regierungszeit von Purnawarman gebaut wurde. Dies dürfte wohl das älteste, öffentliche Bewässerungssystem von Java gewesen sein.

Auf dem ersten Stein, der heute in einem kleinen Häuschen neben einer Schule untergebracht ist, sind zwei symbolische Elefantenabdrücke zu sehen. In der Hindu-Mythologie war Ariavata der Reitelefant des Kriegsgottes Batara Indra. Die Inschrift lautet: „Die Fußabdrücke des Ariawata-gleichen Elefanten des Herrn von Taruma sind geeignet, feindliche Städte zu vernichten, Segen für untergeordnete Könige zu bringen und ein Dorn in der Seite seiner Feinde zu sein“. Der Stein wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Kaffeeplantage entdeckt.

Der Weg führte uns weiter durch eine leicht hügelige Landschaft zum nächsten Stein. Auf dem Stein befinden sich die Fußabdrücke von König Purnawarman und ein Lotusstengel, der wie Spinnen aussieht. Bei den Fußabdrücken muß der König wohl gemogelt haben, die Damen waren nicht davon überzeugt, daß der Javaner Schuhgröße 47 trug. Der Stein lag ursprünglich unten im Flußbett des Ciaruteun und wurde 1981 hochtransportiert. 16 Mann waren einen Monat lange beschäftigt, den 8 Tonnen schweren Findlingsblock aus dem Flußbett zu heben. Den steilen Weg hinunter zum Flußbett wollten doch nicht alle BRÜCKE-Damen antun, so teilte sich die Gruppe und einige unentwegte vollzogen den beschwerlichen Umzug des Steines nach. Die zauberhafte Flußlandschaft belohnte für die kleine Mühe des Aufstieges.

Weiter ging es bis zu einem Plateau über dem Zusammenfluß zweier Flüsse. Von oben hatte man einen herrlichen Blick auf das Flußbett und man konnte sich gar nicht vorstellen, daß diese Steinwüste beschiffbar sein soll. Der Wasserstand war nach der langen Trockenzeit extrem niedrig, was uns auch Frau Wipplinger bestätigte. Hier im Schatten der Bäume breiteten wir unsere Sarongs aus und unser recht unjavanisches Picknick verlief fast königlich. Landjäger, Essiggurken, Kuchen und andere Spezialitäten tauchten plötzlich aus den Rucksäcken auf. Nach einer kurzen Erholpause traten wir unseren Rückweg an und nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir den Parkplatz mit unseren Fahrzeugen.

Es war ein abwechslungsreicher und schöner Ausflug und am Abend hatten wir alle unser Bier auf dem Oktoberfest verdient. Ganz besonderen Dank möchten wir Frau Wipplinger aussprechen, die diesen Ausflug nicht nur geführt hat, sondern auch sehr gut vorbereitet hatte. Wir freuen uns bereits auf unseren nächsten Trip, vielleicht wieder einmal in der Nähe von Bogor.

Christa Stuber