Liberia – das afrikanische Land schützt sich erfolgreich gegen Corona


Liberia, an der Westküste Afrikas gelegen, besitzt aktuell sieben aktive Corona-Fälle. Und der erste Fall sitzt im Gefängnis. Das zwischen 2014 und 2015 schwer vom Ebola-Virus betroffene Land, hat seine Lektion gelernt. Derzeit meistert der Staat mit seinen 4,8 Millionen Einwohnern die Krise mit Bravour.

Thomas Böhner, Erster Vorsitzender des Vereins „Help Liberia-Kpon Ma e.V.” kam gerade aus Liberia mit dem letzten Flieger zurück. Seine liberianische Frau musste er zurücklassen, sie bekam keinen Platz mehr im Flugzeug. „Ich habe ihr gesagt, dass sie froh sein soll“, so Böhner, da sie in ihrem Heimatland derzeit sicherer sei als in Deutschland.
„Der erste Fall war ein hoher Politiker, der aus Spanien kam und wütend die Kontrollen am neuen Robertsfield Airport ignorierte“, berichtet Böhner weiter. „Er stürmte zu seinem Fahrer ins gekühlte Auto und raste zu seiner Residenz.“
Die liberianischen Behörden konnten ihn jedoch ausfindig machen und im Gefängnis in Gewahrsam nehmen. Sein Fahrer besuchte anschließend einen Gottesdienst, aber dank des gut funktionierenden Trackingsystems, stellte sich heraus, dass er niemanden angesteckt hat.
Die Behörden wandelten inzwischen das Kaylando-Hotel in Monrovia in eine Luxus-Quarantäne um. Dort befinden sich jetzt der Fahrer und eine Schweizer Touristin. Das Hotel wird von zahlreichen Sicherheitsbeamten bewacht.
Thomas Böhner hatte einen hervorragenden Eindruck von der Gesundheitsstrategie der liberianischen Regierung. Sie schlossen alle Schulen, Kirchen und viele Geschäfte, bevor dies in Deutschland geschah. „Überall steht Security, die einen nicht am Eimer zum Händedesinfizieren vorbei lassen“, erklärt Böhner weiter. Händeschütteln ist untersagt und die Landesgrenzen sind dicht. „Aber sie haben aus Ebola gelernt, dass die County-Grenzen offenbleiben müssen, weil sonst die Erntehelfer nicht zur Arbeit kommen“, ergänzt der gelernte Krankenpfleger aus Fürstenfeldbruck.
Die Ebola-Epidemie verursachte laut WHO in den Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und einiger weiterer Staaten von 2014 bis 2016 insgesamt 28.697 Fälle mit 11.364 Toten. In Liberia waren es 10.675 Fälle und 4.809 Toten.

Thomas Böhner kam im Rahmen seiner Arbeit 2005 mit der „Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.” nach Liberia. Dort lernte er seine Frau kennen. Er gründete den Hilfsverein „Help Liberia-Kpon Ma e.V.”, um das Land nach dem Bürgerkrieg mit einfacher Basismedizin zu versorgen. Weitere Information finden sich auf der Webseite des Vereins: http://help-liberia.com/.

Ich selbst lebte von 1985 bis 1990 in dem Land an der Pfefferküste. Meine Familie und ich konnten das Land gerade noch rechtzeitig verlassen, bevor der 14 Jahre andauernde Bürgerkrieg im Land begann. Hier finden Sie Bilder über unser Leben auf den Bong Mine in Liberia: https://christastuber.com/liberia/. Weitere Informationen gibt es in meinem Buch „Mein Leben in Liberia“.

Christa Stuber, 03.04.2020

Page: 1 2